Easy-Max und der Weg an die Weltspitze
(Echo von Grindelwald, 23. April 2011)
WM-Qualifikation für Grindelwalder Freestyle-Snowboarder
Dank stetigem Fortschritt hat sich Max Buri unter den besten 50 Slopestyle-Fahrern der Welt etabliert – und damit die Qualifikation für die WM 2012 geschafft. Bereits im nächsten Winter will der Grindelwalder in die Top 20 springen. Noch hütet Buri aber das Bett, anstatt in den USA an seinen Skills zu feilen.
«Ich kann mich inzwischen wieder bewegen», berichtet Max Buri im Telefongespräch via Skype. Der Grindelwalder Snowboarder überstand die gesamte Saison verletzungsfrei. Anfang April dann stürzte er in den Bergen der Sierra Nevada – und dies, nachdem er erst eine Woche zuvor überhaupt in Kalifornien gelandet war. Dort, hoch oben in den Hügeln Nordamerikas, wo bis spät in den Frühling hinein noch Schnee liegt, setzt Max Buri sein Training auch nach Saisonende noch fort. Ein Sprung über einen Kicker gelang dem 18-Jährigen dann nicht wunschgemäss: Er stürzte und prallte mit dem Rücken auf dem Boden auf. Kaputt ging offenbar nichts, wie sich beim Arztbesuch herausstellte: «Aber irgendwas mit der Muskulatur ist wohl nicht in Ordnung», so Buri. Zur Schmerzlinderung habe er Morphium erhalten. «Es geht mir von Tag zu Tag besser.»
Kein FIS-Fahrer
Viel Zeit im kalifornischen Schnee zum Verbessern seiner Skills bleibt Buri indes nicht mehr: Am Ostermontag kehrt der Grindelwalder nach Hause zurück und muss dann bald wieder nach Engelberg einrücken, wo er die Sportmittelschule besucht. Seit drei Jahren ist er im Internat des Nationalen Leistungszentrums und ebenso lange fährt er regelmässig an grossen Contests mit. Die vergangene Saison war seine zweite bei der Elite: «Es war ganz easy», meint Buri, «ich verbessere mich von Jahr zu Jahr, das ist die Hauptsache.» Den ersten Wettkampf bestritt er schon im August in Neuseeland, wo die FIS Freestyle-Juniorenweltmeisterschaften stattfanden. Buri hatte sich zwar eine Medaille in seiner Lieblingsdisziplin Slopestyle erhofft, verpatzte dann aber den ersten Lauf. Im zweiten setzte er alles auf eine Karte und sprang noch auf den 12. Rang, der jedoch nicht zur Finalqualifikation ausreichte. In der Königsdisziplin Big Air wurde er 18. «Ganz easy», gibt Buri auch hier, auf sein Abschneiden an der WM angesprochen, zur Antwort. Er sei aber kein FIS-Fahrer, räumt er ein: «Wenn du als Freestyle-Snowboarder an einem FIS-Event gut fährst ist das zwar schön, aber es interessiert niemanden wirklich.»
Erster Contest in Übersee
Massgebend ist in den Freestyle-Disziplinen die «Ticket to Ride World Snowboard Tour», kurz TTR. Diese ist von der FIS unabhängig und in Contests unterteilt, die je nach Professionalitätsgrad mit einem bis sechs Sternen bewertet sind. Sechs-Sterne-Events sind dabei die anspruchsvollsten und geben im TTR-Ranking die meisten Punkte. Max Buri fuhr in der vergangenen Saison deren drei, zwei davon sogar zu Hause in der Schweiz: Die O'Neill Evolution in Davos, die European Open in Laax sowie die US Open in Stratton Mountain im US-Bundesstaat Vermont. Sein bestes Ergebnis erreichte Buri dabei in Laax, wo er im Slopestyle unter über 400 Fahrern und in Anwesenheit der Weltelite 31. wurde. Derweil verpasste er in Davos und Stratton Mountain den Halbfinaleinzug und wurde 70., beziehungsweise 64. Der Auftritt an den US Open war sein erster überhaupt in Übersee: «Der Schnee war ganz anders beschaffen, als ich es gewöhnt bin. Dementsprechend lief es mir im Wettkampf nicht so gut, weil ich vorher gar kein Training hatte.» Gross ist seine Enttäuschung darüber aber nicht: «Manchmal klappt es halt nicht so, wie man es sich wünscht. Deswegen geht die Welt nicht unter. Alles easy.»
Schule hat Priorität
Sein bestes Ergebnis erzielte Buri im italienischen Livigno. Am Fünf-Sterne-Contest wurde er in seiner Spezial- und Lieblingsdisziplin Slopestyle Sechster und ging ausserdem im Big Air an den Start, wo er sich als 16. unter den Top 20 klassierte. Auch in anderen Fünf- und Vier-Sterne-Events sowie je einem Drei- und Zwei-Sterne-Event sammelte er eifrig Punkte, sodass er sich nach Saisonende im Slopestyle-Ranking auf Platz 42 und damit erstmals unter den Besten 50 der Welt befindet. Dies beweist nicht nur Buris stetige Entwicklung, sondern ist vor allem auch wichtig im Hinblick auf ein bevorstehendes Grossereignis: 2012 findet in Oslo die erste TTR-Weltmeisterschaft statt, zu der in jeder Disziplin nur die Top 50 der Welt zugelassen sind. Nach der ersten Durchführung in Norwegen wird die WM im Stile von Olympia alle vier Jahre ausgetragen. Bereits hat sich Buri die Ziele für den nächsten Winter hoch gesteckt: In die Top 20 des TTR-Rankings will er es im Slopestyle schaffen, «ein Jahr später dann in die Top 10 und so weiter.» Welche Top-Platzierung ihm wohl an der WM im Winter 2012 gelingt? Sobald er nun aber aus Kalifornien zurück in der Schweiz ist, hat vorerst noch nicht die WM, sondern die Schule Priorität: «Wegen des Wettkampfprogramms habe ich seit Dezember nur zwei-, dreimal den Unterricht besucht. Ich muss einiges nachholen.» Danach will Buri den Sommer geniessen, «ein bisschen surfen, mit Freunden grillieren.» Oder einfach: «Eine easy Zeit verbringen.»