Echo von Grindelwald, 12.01.2012
Ein Grindelwalder am Lauberhorn
(Manuela Hess)And Mey geht als Vorfahrer an den Start
Sein grosser Traum ist es, eines Tages in Wengen als Weltcupfahrer um die vorderen Ränge mitzureden. Schon jetzt bekommt Andy Mey einen Vorgeschmack darauf: Der 17-jährige Grindelwalder vom NLZ Mitte startet am Lauberhornrennen als Vorfahrer. Es ist lange her, dass ein regionaler Athlet die Lauberhornabfahrt bewältigte. Sehr lange. Urs Räber war der letzte. Und es liegt nunmehr 28 Jahre zurück, als der Wilderswiler in seiner letzten Weltcupsaison in der Abfahrt von Wengen auf Platz 15 fuhr. Auch bei der 82. Ausgabe des Klassikers wird kein Name aus der Region im Klassement auftauchen – dafür in der Startliste: Andy Mey aus Grindelwald ist als Vorfahrer im Einsatz.Bremsschwung kostete Kraft
Der 17-Jährige gehört dem Nationalen Leistungszentrum Mitte in Engelberg an. Zur Ehre, als Vorfahrer am Lauberhorn zu starten, kam er dank seinem ehemaligen Coach: Andy Regez, Helfer beim Lauberhornrennen, klopfte bei ihm an und machte ihm das Angebot: «Ich sprach es mit meinen Trainern ab und sagte dann sofort zu», so Andy Mey. Im ersten Abfahrtstraining am Mittwoch, 11. Januar, fuhr der Grindelwalder dann zum allerersten Mal die längste Weltcupabfahrt hinunter. «Die Hälfte der Strecke kannte ich schon vom Training her», so Mey, die komplette war er aber zuvor noch nie gefahren. Angst habe er am Start keine gehabt, «aber ein gewisser Respekt war schon da.» Mit seiner ersten Lauberhornabfahrt ist der 17-Jährige im Grossen und Ganzen zufrieden: «Ich hatte mir nicht viel vorgenommen, wollte die Strecke erst einmal durchfahren und kennenlernen.» Dabei unterlief ihm ein Missgeschick, dass im Rennen wohl viel Zeit gekostet hätte. Bei der Minschkante driftete er nach aussen und musste stark bremsen. «Dieser Bremsschwung kostete viel Kraft.» Die Einteilung der Kräfte ist es denn auch, was Mey als grösste Herausforderung bei der Lauberhornabfahrt sieht: «Die besondere Schwierigkeit des Rennens ist die Länge. Meine Beine waren im Ziel jedenfalls übersäuert.»Drei Verletzungen in drei Saisons
Nun, da er die Strecke erst einmal kennt, steckt sich Andy Mey für die Vorfahrten an der Super-Kombination und beim Klassiker auch kleine Ziele: «An den Renntagen werde ich versuchen, mich auf die schnellere Linie zu konzentrieren.» Aber ganz egal, mit welcher Zeit er im Ziel einfahren wird – «das Lauberhorn ist definitiv eines meiner Saisonhighlights», sagt der Grindelwalder. Bereits 2011 hatte er auf Eigeninitiative nachgefragt, ob er als Vorfahrer in Wengen starten könne. «Damals rieten mir meine Trainer aber, mich auf das Training zu konzentrieren.» Und das nicht ohne Grund: Mey musste während der letzten drei Saisons dreimal unters Messer – einmal war das Kreuzband gerissen, einmal die Hand gebrochen und in diesem Winter brach er sich den Daumen und fährt seither mit Schiene. Eingeschränkt fühlt er sich deswegen aber nicht, «es muss halt irgendwie gehen.» Seine Form stimmt jedenfalls, auch wenn Mey bisher nicht die entsprechenden Resultate erzielte: «Ich habe noch etwas Mühe, meine Trainingszeiten im Rennen umzusetzen.» Von seinem Ziel bringt ihn aber nichts ab. Andy Mey will es ins C-Kader von Swiss-Ski schaffen und damit seinem grossen Traum – einst im Weltcup zu fahren – Schritt für Schritt näher kommen. «Wenn es mal soweit ist, würde ich die Lauberhornabfahrt zumindest schon kennen», meint er verschmitzt.Edit • Attach • Print version • History: r2 < r1 • Backlinks • Raw View • Raw edit • More topic actions
